14. April 2008 - Tag 12: Bischofshofen - Salzburg (53 km)
Lauf-Infos:
Datum: 14. April 2008
Start: 09.00 Uhr
Ankunft: 15.09 Uhr
Distanz: 53 km
Laufzeit: 5:05
Gesamtzeit: 6:09
Kilometerstand: 549 km von 1.129 km
Das letzte Bier gestern war wohl doch zuviel – ich stand ziemlich müde auf heute. Das Frühstück war in einem anderen Gebäude und vom Frühstückstisch zum Buffet war es auch weit zu gehen – in den Nebenraum. Ich wollte mich beeilen um noch vorm Start einkaufen zu gehen aber an der Rezeption war niemand anzutreffen. So mußte ich warten . Ah, da kommt ja jemand. Hm, sie hat die Rechnung vergessen und musste daher wieder ins andere Gebäude rüberlaufen. Als ich jetzt endlich bezahlt hatte fand ich einen Supermarkt, wo ich mir ein paar Getränke für den Lauf kaufen wollte, aber auch hier war niemand an der Kassa und es schien ewig zu dauern, bis da jemand kommt. So entschied ich mich, die Sachen im Supermarkt zu lassen und mich auf dem Weg zum Start zu machen. 5 Minuten vor dem Start erschien die Presse und ein Journalist teilte mir mit, dass der Bürgermeister auch noch kommt. Er kam 3 Minuten vor dem Start. Ich schaffte es gerade noch pünktlich um 9 Uhr zu starten und die beste Strecke herauszufinden. Als ich endlich am Radwanderweg war, wurde ich bereits nach 2 Kilometer wieder auf die Hauptstraße umgeleitet, ohne Angabe der richtigen Richtung. Obendrein hörte ich im Radio, dass in den nächsten 2 Tagen wieder mit Schnee und Regen zu rechnen ist!!!
ODER
Ich schlief großartig dank des Biers gestern. Ich stand pünktlich auf und ging zum Frühstück. Ich war perfekt in der Zeit und so konnte ich auch noch ein paar Sachen einkaufen, bevor ich zum Start gehe. Im Hotel bekam ich meine Rechnung so schnell es der Rezeptionistin möglich war. Im Supermarkt wurde es etwas stressig und ich entschied mich die Sachen unterwegs wo einzukaufen. Ich schlenderte die Strasse zum Start hinunter, wo zu meiner Überraschung die Presse UND der Bürgermeister wartete, um mir alles Gute für den heutigen Tag zu wünschen. Ich startete pünktlich um 9 Uhr an einem wunderschönen Tag trotz Regenwarnung. Ich fand meinen Weg zum Radwanderweg dank der guten Beschilderung ganz gut. Nur eine Umleitung ließ mich wieder auf der Hauptstraße Richtung Salzburg laufen. Im Radio hörte ich, dass es wieder regnen und schneien soll. Aber ich schaue, dass ich weiterkomme und mich das Wetter nicht verfolgt und wenn, dann trifft es mich jetzt nicht mehr an einem langen Tag oder auf einem Pass. Und heute – der längste Tag der Strecke – hatte ich den ganzen Tag über strahlenden Sonnenschein!!!
Alles Ansichtssache, oder?
Wir haben kaum etwas, über das wir uns wirklich beschweren könnten. Ich mache oft den Fehler, da ich dazu neige, mich zu beschweren – wie man oben sieht. ABER das bin ICH, der oft das Problem macht/sieht, nicht der gegebene Umstand.
Wie wäre es damit:
In meinem Leben erwarte ich nicht mehr, dass es viel besser wird. Aber ich hoffe, dass meine Kinder eines Tages in Frieden leben können. Wenn wir Glück haben, können wir das Flüchtlingslager in ein oder zwei Jahren verlassen und sehen, was aus unserem Dorf geworden ist. So lange ich nichts Neues höre, so lange habe ich die Hoffnung, dass meine Familie noch am Leben ist.
Unsere Probleme scheinen Nichts zu sein, wenn man es mit dem vergleicht.
Heute hatte ich – bis auf ein paar Kleinigkeiten – einen fantastischen Tag. Ich bin über den fünften – und somit letzten Pass dieser Strecke – gelaufen, hatte den ganzen Tag über Sonnenschein, fühle mich wirklich stark genug um es bis zum Ende durchzustehen und wurde von einem Freund erwartet, der mich ins Hotel brachte, wo ich endlich meine Wäsche in der Badewanne waschen konnte. Anschließend hatten wir ein ein nettes Abendessen.
Es ist Halbzeit. Es macht mir nichts aus, wenn es morgen regnet, solange dieser Lauf Sinn macht und etwas zur Verbesserung für die Bevölkerung in Ländern, die Hilfe brauchen und in denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist und hilft, beiträgt.
Peter Rietveld - http://www.run-for-lives.at/peter
